Bike Test: Trek Remedy 9.9 - 2012

Bike Test: Trek Remedy 9.9 - 2012

Wie die Jungfrau zum Kind, kam ich vor einiger Zeit dazu, das neue Trek Remedy testen zu dürfen. Im Zuge der 2012er Modellpräsentation gastierte Trek im Zillertal, und wir waren dabei.

Nachdem das Remedy letztes Jahr etwas nach unten „getravelt“ wurde und mit 150 mm Federweg die All Mountain Kategorie bildet, war für heuer in dieser Beziehung nichts neues zu erwarten.
Was sich aber geändert hat, ist das Fahrwerk. Das Trek patentierte zwei Kammer DRCV (Dual Rate Control Valve) Dämpfungssystem bei den Luftdämpfern wurde auf die Gabel übertragen. Man kann also gespannt sein. ( TREK BIKES )

Ich stelle euch das Bike, so wie ich es gefahren bin kurz vor, werde mich aber auf das wesentliche beschränken. Danach gibt’s Informationen zu den Verwendeten Technologien und im Abschluss die Testbewertungen.

Das Bike / Trek Remedy 9.9 Highlights

  • OCLV Mountain Carbon Hauptrahmen / Rocker / Sitzstreben / Kettenstreben
  • E2 Tapered Steuerrohr , 142x12 mm Achsstandard
  • Gabel Fox 32er Trek DRCV Custom Tuning
  • Fox Float RP3 Trek DRCV Custom Shox Tuning
  • Komplett XX Antrieb 2x10  26/39 auf 11/36
  • Avid XX Bremsanlage 180 / 180
  • Rockshox Reverb Stealth
  • Bontrager Vorbau (40mm) und Lenker (720mm) Carbon

Dadurch, dass durchwegs Carbon zum Einsatz kommt, wird das Gewicht sehr nach unten gedrückt. In Verbindung mit den leichten Komponenten, sowie leichten Laufrädern hat das Bike beste Voraussetzungen für eine gute Agilität.



Geometrie

An dieser hat sich in Summe nicht viel gegenüber dem Vorjahr geändert. Der Steuerwinkel ist „lediglich“ um einen Grad flacher geworden, was dem Fahrverhalten und dem Feeling für eine DH-lastige Orientierung gut tut. Die Kettenstreben sind lang genug, sodass man beim bergan pedalieren effizient unterwegs ist, aber am Trail bergrunter noch Spaß hat, da die Wendigkeit des Bikes erhalten bleibt. Das Oberrohr zieht so tief wie es das Floatet System mit dem DRCV Dämpfer hinten erlaubt und bringt auch bei einer Rahmengröße von 19,5“ eine akzeptable Überstandshöhe.

Rahmenspezifische Besonderheiten:

  • ABP oder ausgeschrieben Active Braking Point. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass das Gelenk am Hinterbau weder an der Kettenstrebe, noch an der Sitzstrebe befindet, sondern dort wo es am günstigsten für das Fahrwerk ist, nämlich genau an dem Drehpunkt der Nabe. ABP soll die volle Funktion des Hinterbaus gewährleisten, ganz besonders auch während eines Bremsvorganges.
  • Full Floater, der Dämpfer befindet sich zwischen zwei beweglichen Federbeinaufnahmen. Das ermöglicht eine noch bessere Dämpferabstimmung, die sich nach mehr Federweg anfühlt, ohne dessen Nachteile zu bringen.
  • DRCV, Das DRCV-Federbein von Trek mit 2 Luftkammern kombiniert Antriebs-Effizienz und feines Ansprechen auf kleine Schläge mit voller Kontrolle bei großen Schlägen. Gleichsam zwei Federbeine in einem.
  • OCLV Carbon, hier werden die multidirektionalen Fasern, mit Hitze und gezieltem Druck komprimiert. So erreicht man ein ideales Verhältnis von Karbonfasern und Kunstharz. Durch dieses Verfahren werden kleine zum Teil mikroskopisch kleine Hohlräume vermieden und eine sehr Hohe Steifigkeit bei niedrigstem Gewicht erzielt.
  • BB95 in Kombination mit dem OCLV kommt eine Innenlagerbreite zum Einsatz, die es mit 95 mm Breite ermöglicht, großvolumige Unterrohre zu verwenden was die Steifigkeit enorm erhöht. Die Lager werden direkt in den Rahmen eingepresst.
  • Mit der Direkt Mount  Umwerfer Montage erhöht sich die Schaltpräzision
  • Syntace X12 142 mm Einbaubreite, dadurch, dass die Nabe „in“ den Rahmen eingeführt wird, erhöht sich Steifigkeit auch im Vergleich zu einer 135x12mm Version.
  • E2 Tapered Steuersatz, von der Reduktion von einem unteren 1,5“ Lagersitz zu einem 1 1/8“ Schaftdurchmesser, ist es möglich besonders viel Material dort zu platzieren wo es wichtig ist. Dadurch erhält man einen stabileren, leichteren Rahmen mit mehr Lenkpräzision.


Der Test

Im Zuge des Produkt Launches von Trek, hatte ich die Möglichkeit das Remedy 9.9 fast eine ganze Woche fahren zu dürfen. Und das auf Trails die ich selbst mitgebaut habe und beim mir vor der Haustür sind. Über diesen doch eher langen  Zeitraum, im Vergleich zu „normalen“ Testevents der verschiedenen Hersteller, bekam ich einen guten Eindruck was die Fähigkeiten des Bikes betrifft. Ich möchte nicht sagen, dass ein Tag testen wie es üblich ist, unzureichend ist um ein Bike bewerten zu können. Aber über eine  Woche hinweg kommen doch schon die ersten „Langzeit“ Erscheinungen ans  Licht und man kann sich noch besser auf das Bike adaptieren und es weiter pushen.  Während der gesamten Zeit, konnte ich weiters mit Entwicklern und Ingenieren, wie beispielsweise Jose Gonzalez, Travis Brown, oder dem Teamfahrer René Wildhaber über das Bike sprechen und mir die Technologien genau erklären lassen. So gibt es für euch hier einen detaillieren Bericht über dieses leichte „Klasse Bike“.

Action Bilder von Sterling Lorence und Geoff Waugh gibts sobald ich sie bekomme. Bis dahin, könnt ihr euch in dieser Slideshow ein Bild machen wo wir getestet haben.


Verarbeitung & Konzept


Das Konzept eins leichten All Mountain Bikes mit 150 mm Federweg verfolgen ja die meisten Hersteller. Ein Bike, welches effizient bergan zu pedalieren ist aber genauso DH Qualitäten hat und dazu auch noch Spaß macht ist nicht so leicht zu entwickeln.
 
So hat man ja letztes Jahr schon den Federweg angepasst und die Geometrie überarbeitet. Die Hauptneuerung für 2012 ist eine leichte Anpassung der Geo zugunsten der DH Qualitäten und der Einsatz der DRCV Technologie in der Fox Gabel.
Das Remedy 9.9 steht top „gespect“ vor einem.  Mit der kompletten XX Gruppe drückt man Gewicht nach unten, Preis nach oben. Die Federelemente passen, sind  für das Bike nicht zu schwer und treffen den Einsatzbereich.
Der OCLV Carbon Rahmen sucht seines Gleichen in Sachen Leichtigkeit bei der entsprechenden Steifigkeit. Die Leitung der Reverb Stealth ist intelligent innen verlegt. Einzig und allein wenn man die Reverb das erste Mal mit der Sattelstützenklemme einstellt, muss man sicher gehen ob nicht zuviel Zug auf der Leitung ist, oder diese durch weites Einführen in das Sattelrohr knickt.
Zwischen Sitzstreben und Rocker Link, hat der Rahmen ein Feature der Geometrieverstellung. Über einen exzentrischen Chip können Sitz und Lenkwinkel um einen halben Grad angepasst werden.

Alle Technologien und Features könnt ihr euch Hier noch mal genauesten zu Gemüte führen.



Funktionalität

Uphill

Die ausgewogene Geometrie lässt den Wunsch die Gabel absenken zu wollen erst gar nicht aufkommen. Durch den steileren Sitzwinkel, findet man die Position auch bei ausgefahrenem Sattel im Bike, und nicht dahinter.

Der Fox RP3 DRCV bietet einem drei Einstelloptionen. Entweder mit leichter Plattform (Position 1), die sich sowohl zum Berganfahren, speziell auf technischen Strecken, als auch auf Trails mit welligem Profil, ausgezeichnet eignet.
Die harte Plattform (Position 3) offeriert einem die höchste Stufe eines „Pro Pedals“ und ist somit für lange Anstiege sowie Wiegetritt geeignet.
Die Unterschiede sind deutlich zu spüren. Das Tuning des Dämpfers ist meines Erachtens sehr gut. Mit Position 3 verliert man sogar im Wiegetritt auf der Straße nicht zu viel Energie. Die leichte Plattform macht absolut Sinn und ist ebenso gut getuned.
Die 32er FOX DRCV lässt sich mit einem Hebel an der rechten Seite sperren und ist somit für höhere Geschwindigkeiten bergan auch bereit.

Das Tiefe Cockpit, mit einem breiten und flachen Lenker verhindern zusätzlich, dass sich das Vorderrad vom Boden hebt.
Der 2x10 Antrieb reicht für so ziemlich das Meiste und ist in Verbindung mit der Rock Shox Reverb in technischen Trail Up&Down Geländer der Hammer.
Das geringe Gewicht, sowie die hohe Steifigkeit generieren aus jeder Pedalumdrehung ein Maximum an Vortrieb.

Downhill

Mit 67° ist der Lenkwinkel für ein modernes All Mountain Bike, ja mittlerweile üblich. Das kommt der DH Performance sehr zugute. Mit einer Rahmengröße von 19,5’’ hatte ich mit dem Remedy 9.9 ein Bike das sich sogar bei höheren Geschwindigkeiten noch sehr aktiv fahren lies. Das geringe Gewicht und die harmonische Geo machen das Bike agil.
Das DRCV Fahrwerk konnte ich zum ersten Mal ausprobieren. Am beginn, nun ja, viel mir auf dass das Ansprechverhalten für einen Luftdämpfer doch sehr feinfühlig war. Das mag aber an der Kashima Beschichtung des Dämpfers sowie an der Lagerung am oberen Drehpunkt gelegen haben.
Zuerst war ich doch vorsichtig, tastete mich langsam an meinen Speed heran. Da ich das Bike aberer mehrere Tage fahren konnte, fühlte ich mich bereits am zweiten Tag wie zuhause.
Aber zur Federungstechnologie, das DRCV vermittelt bei härterer Gangart eine Sicherheit, wie ich sie von noch keinem Luftdämpfer erfahren habe. Genauso die Gabel, sie rauscht bei harten tiefen Schlägen nicht sofort in den Endbereich des Federweges sondern bewegt sich kontrolliert und sicher durch den „Travel“. Das Gefühl geht in Richtung Stahlfeder Variante und es fühlt sich schlicht und ergreifend nach mehr Federweg an.
Ganz besonders ist mir aufgefallen und das dürfte jedem auffallen, wie aktiv der Hinterbau während eines Bremsvorganges arbeitet. Die ABP Technologie positioniert den Drehpunkt des Hinterbaus genau dort, wo die geringsten Einflüsse eines Bremsvorganges auf die Funktion auftreten, nämlich in der Position der Achse. Und genau das scheint wunderbar zu funktionieren. Der Hinterreifen hat sowohl bei leichten Bodenwellen ständigen Kontakt und damit Grip, egal ob man nur leicht anbremst oder voll in den Eisen hängt.

Das Remedy mit seinem OCLV Carbon ist ein steifes Bike, das hat zur Folge, dass man sehr präzise fahren kann. Die Gabel mit Tapered Steerer im E2 Headtube ist steif und man kann so den Vorderreifen genau platzieren. Zugleich verzeiht dieser Umstand einem Fahrfehler nicht so leicht. Man sollte daher dem Vorderrad ein wenig mehr „Freiheit“ geben. Sonst spürt man ziemlich bald wie sehr sich laterale Schläge auf Arme und Schultergürtel übertragen.
Sehr ähnlich verhält es sich natürlich auch mit dem Hinterrad. Die 142x12 Achse im Trek Floated Hinterbau ist das I Tüpfelchen in Sachen Steifigkeit. Ob in Anliegern oder offenen Kurven, sowie man dem Bike Neigung und Druck gibt zieht es eine Linie. Da gibt es kein schwammiges Gefühl oder einen flexenden Hinterbau. Wie mit der Rasierklinge, insofern der Reifen mitspielt, lassen sich mit dem Remedy Kurven fahren.




Resumeé


Im Vergleich zum Vorgänger ist auf den ersten Blick am Remedy nicht so viel verändert worden. Doch bei näherem Betrachten finden sich doch zahlreiche Features sowohl in Technologie wie Detaillösung die einen doch deutlichen Unterschied machen. Das nun komplett Hauseigene Fahrwerk mit DRCV in Dämpfer und Gabel, ist harmonisch und sehr potent was den DH Einsatz betrifft. Im Uphill Gebrauch hat man sich in Sachen Propedal Tuning richtig Gedanken gemacht und diese Super umgesetzt.
Dadurch, dass das Remedy 9.9 für 2012 komplett aus OCLV Carbon ist, war auch das Gewichts-Tuning erfolgreich.
Die leicht veränderte Geometrie ist eine weitere kleine Evolutionsstufe im All Mountain Bereich. Mit flacherem Lenkwinkel und der Möglichkeit, sowohl Sitz und auch Lenkwinkel anzupassen lässt man dem Endkunden ein wenig Freiraum.
Das Detail der innen-verlegten Leitung der Reverb Stealth Sattestütze ist mitunter so das Nützlichste was man sich denken kann. Bei dem Langen Hub ist keine Leitung im Weg, die eventuell am Rocker Link streift.
Se verhält es sich etwas bei dem Bowdenzug der den Direct Mount Umwerfer bedient. Dieser streift, insofern er nicht die richtige Länge hat, und Ordnungsgemäß montiert ist, nämlich beim Einfedern am Hinterreifen.
Ebenfalls gut überlegt sind der hauseigene Kettenstrebenschutz, sowie das Aluschutzblech an der Kettenstrebe in Kurbelnähe.
Für DH orientierte All Mountain Biker, hat das Remedy auch eine ISCG Aufnahme, die eine Montage einer schaltbaren Führung ermöglicht. Ob diese Aufnahme auch die Montage eines integrierten Bumpers erlaubt kann ich an dieser Stelle nicht mit Sicherheit sagen. Man fährt auf der sicheren Seite, wenn man die Variante Kurbel mit Bashguard diese Arbeit übernehmen lässt.


Die Ausstattung beim Remedy 9.9 ist allererste Sahne. Der XX Antrieb ist leicht und arbeitet zuverlässig. Die Bremsanlage erzeugt aber gewöhnungsbedürftige Geräusche, die mir immer ein kleiner Dorn im Auge waren. Bontrager Carbon Vorbau und Lenker, waren gut dimensioniert. Der Lenker war passend breit und mit wenig Rise. Den Vorbau lies ich mir tauschen, gegen einen kürzeren, mit 50 mm Länge. Die DT Swiss Tricon XM 1550 sind ein passend leichter Laufradsatz, der die auch etwas härtere Gangart verträgt, wobei man es nicht übertreiben sollte.
Die Bontrager XR4 Team Issue Reifen, überzeugten durch geringen Rollwiderstand und brauchbare Performance im Trockenen. So wie es etwas feucht und matschig wurde, stießen die Seitenstollen an ihre Grenzen und der Grip lies deutlich nach.

Es fällt schwer an diesem Bike etwas zu finden das man noch besser machen könnte. Vielleicht wären innen verlegte Bowden- und Bremsleitungen interessant. Ansonsten gibt es kaum was negative zu sagen.
Einzig und Allein der Preis der Variante Remedy 9.9 wird ein Wehrmutstropfen sein. Genauen gibt’s noch keinen, ergänzen wir aber sobald er feststeht.

Trek Remedy 9.9Vorbereitung für den ersten Testride, mit James Richards und Lloyd Grace Mister Travis Brown, Testfahrer und MTB Legende in den StaatenDRCV, Foated, ABP, OCLV Carbon alles was das Herz begehrt Katja, René, und ich. René Race Bike ist ein Remedy ! Kurze Pause beim Remedy Testride!  Harmonisch und spitze bestückt! Die DRCV 32 Fox , schön zu sehen die "Inneren Werte" So auch beim DRCV Fox RP3 Gemetrie Bestellung mit Flip Chip @ Höllenritt @ All Mountain Trail@ Park

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